Die Lochmühle heute – STIWA APF GmbH
Mit Vertrag vom 15. April 1998 hat die STIWA APF Automatische Produkte Fabrik GmbH von der Moeller GmbH, Bonn, mit wirtschaftlicher Wirkung zum 1. Mai 1998 deren bisheriges Werk Lochmühle in Schlangenbad gekauft und führt seitdem die dortige Produktion fort.
Ein Teil der Produkte der Moeller GmbH, nämlich das Zubehör für den Motorschutzschalter, werden weiterhin in der Lochmühle produziert. Dies allein genügte jedoch nicht für eine volle Auslastung des Betriebes. So folgten bald weitere Produktfelder. Es wurde eine Laserschweißanlage zur Herstellung von Baugruppen für Lenksäulen installiert. Der Kunde ist die Firma Thyssen Krupp Automotiv AG in Bochum mit Ihren Werken PRESTA Eschen (Liechtenstein) und PRESTA Someflor (Frankreich). Ein weiteres Produkt sind Baugruppen für Schreibgeräte der Firma C. Josef LAMY GmbH in Heidelberg.
Neben der Serienfertigung elektrischer Schaltgeräte/Zubehör und verschiedenen Baugruppen von Lenksäulen als Haupttätigkeiten sind weitere Inhalte die Herstellung von Einzelteilen für Hochleistungs-montageanlagen der Firma Stiwa Fertigungstechnik GmbH in Attnang (Österreich), die Herstellung von automatisierten Produktionsanlagen sowie die Einsetzung von Softwareprodukten im Bereich der Produktionsoptimierung und Instandhaltung. Daraus ergeben sich außerdem Tätigkeiten in den Bereichen Schulung, Training, Personalgestellung und Unternehmensberatung.
Die heutigen Absatzmärkte befinden sich im Wesentlichen in Deutschland, Frankreich und Österreich.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr waren in der Lochmühle durchschnittlich 128 ArbeitnehmerInnen beschäftigt, davon der größte Teil in den Bereichen Automatische Produktion Zulieferbaugruppen und Werkzeugbau. Weitere Bereiche sind eine eigene Kunststoff- und Stanzteilefertigung, die Werkzeuginstandhaltung sowie eine Mannschaft von Fachleuten in der Qualitätssicherung. Den Nachwuchs an Fachkräften sichern wir uns mit zurzeit 7 Auszubildenden in den Berufsfeldern WerkzeugmechanikerIn, IndustriemechanikerIn, ElektronikerIn und VerfahrensmechanikerIn.
Die Lochmühle – wie alles begann
Etwa 1 km südlich von Schlangenbad wurde im Jahre 1699 eine Mahlmühle errichtet. Es war dies die achte Mühle, die, von Wambach aus gesehen, von dem damals Walldaffa (heute „Walluf“) genannten Bach ihre Antriebskraft erhielt. Der Name „Lochmühle“ erscheint aktenkundig erstmals in einer Klageschrift vom 29. Dezember 1789. Seit ihrer Errichtung bis heute wechselte sie 24mal den Besitzer.
Etwa um 1900 hat die Mahlmühle ihren Betrieb eingestellt und lag bis 1919 still. In diesem Jahr wurde das Anwesen von der Firma Rheinisches Schweißwerk in Neudorf (heute Martinsthal) erworben und in eine Porzellanfabrik umgebaut. Um die Wasserkraft besser ausnutzen zu können, wurde ein mächtiges, stählernes Wasserrad von 11 Meter Durchmesser errichtet. Es war damit das größte Wasserrad im Walluftal. Die neue Fabrik hatte zwei Brennöfen, eine Aufbereitungsanlage für die Porzellanmasse und eine große Anzahl Arbeitsmaschinen, besonders Handpressen für die Erzeugung von elektrotechnischen Materialien. Die Fabrik war jedoch nicht besonders gut angelegt und scheint nie mit rechtem Erfolg gearbeitet zu haben.
Mitte der 1930er Jahre wurde die Lochmühle zweimal zur öffentlichen Versteigerung ausgeboten. 1936 kaufte Herr Hein A. Moeller aus Bonn das Anwesen. Die damalige Kurverwaltung in Schlangenbad hatte offenbar mit der alten Porzellanfabrik durch Geruchs- und Rauchbelästigung so schlechte Erfahrungen gemacht, dass sie Einspruch gegen die Wiederaufnahme des Betriebes erhob. Daraufhin fasste Herr Moeller den Plan, in dieser wundervollen Landschaft und mit Rücksicht auf die vorhandene, nicht unbeachtliche Wasserkraft, an Stelle der Porzellanfabrik eine moderne Schaltgerätefabrik zu errichten. 1938 wurde dann die Lochmühle in ihrer heutigen Form fertig gestellt. Man versuchte diese Art von Gebäude in die Landschaft zu integrieren, und nahm sich die alte Bauanlage des Römerbades teilweise als Vorbild. Die Fabrik erfuhr im Laufe der Jahre noch einige Erweiterungen und blieb 65 Jahre ein Produktionsbetrieb für Motorschutzschalter der heutigen Moeller GmbH mit Hauptsitz in Bonn.
Im Frühjahr 1998 kam dann der große Schicksalsschlag. Das Hauptprodukt, das in der Lochmühle hergestellt wurde, erfuhr eine zeitgemäße „Runderneuerung“ und konnte aus verschiedenen Gründen nicht mehr in der Lochmühle gefertigt werden. Man beschloss aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus das Werk zu schließen und Teile der Produktion, die benötigt wurden in andere Werke zu verlagern.
In dieser Zeit war es, als Herr Walter Sticht Interesse an der Lochmühle zeigte. Die Moeller GmbH hatte schon länger eine geschäftliche Beziehung zur Firma STIWA Fertigungstechnik GmbH., von der man Montageanlagen zur automatischen Produktion kaufte. Auch hier im Schlangenbader Werk waren Anlagen der Firma STIWA installiert. So kam es, dass am 01.Mai 1998 die Lochmühle in den Besitz von Herrn Walter Sticht überging. Ein Teil der Produktion für die Moeller GmbH wurde übernommen, womit zunächst der Fortbestand gesichert war.




